MongoDB läuft auf beiden Plattformen, aber die Unterschiede gehen über oberflächliche Pfadunterschiede hinaus. Sie betreffen Philosophie, Performance und operative Aspekte. Linux dominiert in Produktionsumgebungen aus gutem Grund – nicht aus Tradition, sondern aufgrund messbarer Vorteile. Windows hat seinen Platz in Entwicklungsumgebungen und Unternehmen mit Microsoft-zentrierten Infrastrukturen. Die Wahl der Plattform sollte bewusst erfolgen, basierend auf den spezifischen Anforderungen und der bestehenden Infrastruktur.
Der Installationsprozess spiegelt die grundlegenden Philosophien beider Plattformen wider. Linux setzt auf Package Manager – zentrale Repositories, die Software verwalten, aktualisieren und deren Abhängigkeiten auflösen. Die Installation von MongoDB unter Ubuntu oder RedHat folgt diesem bewährten Muster. Man fügt das MongoDB-Repository hinzu, aktualisiert die Paketliste und installiert mit einem einzigen Befehl.
Diese Methode bietet mehrere Vorteile. Updates sind trivial – ein
apt upgrade oder yum update aktualisiert
MongoDB zusammen mit allen anderen Paketen. Automatisierung ist einfach:
Ansible, Chef oder simple Bash-Scripts können identische Installationen
auf Dutzenden oder Hunderten von Servern ausrollen. Die Konfiguration
ist konsistent, weil Package Manager vordefinierte Pfade und Strukturen
verwenden.
Windows verfolgt einen anderen Ansatz. Der MSI-Installer ist ein klassisches Setup-Programm mit grafischer Oberfläche. Ein Wizard führt durch den Prozess, bietet Optionen für Installation als Service oder nur der Binaries, und konfiguriert Umgebungsvariablen. Für einzelne Installationen ist dies komfortabel und selbsterklärend. Für automatisierte Deployments oder Infrastruktur-as-Code ist es weniger elegant – obwohl MSI-Pakete durchaus unattended installiert werden können, ist dies weniger intuitiv als Linux-Package-Manager.
Ein praktischer Unterschied zeigt sich bei den Standard-Datenpfaden.
Linux-Installationen legen alles systematisch ab: Konfiguration in
/etc, Daten in /var/lib, Logs in
/var/log. Diese Trennung folgt dem Filesystem Hierarchy
Standard und erleichtert Backups, Monitoring und Troubleshooting.
Windows nutzt typischerweise C:\Program Files\MongoDB für
Binaries und Konfiguration, während Daten nach C:\data\db
gehen – ein Pfad, der manuell angelegt werden muss und den viele
Anfänger vergessen, was zu verwirrenden “directory not found”-Fehlern
führt.
Die Art, wie Dienste verwaltet werden, unterscheidet sich
fundamental. Linux hat sich in den letzten Jahren auf systemd als
Standard-Init-System konsolidiert. Die Verwaltung ist konsistent über
Distributionen hinweg: systemctl start mongod,
systemctl stop mongod,
systemctl status mongod. Diese Befehle funktionieren
identisch auf Ubuntu, RedHat, Debian und den meisten anderen modernen
Distributionen.
systemd bietet weit mehr als einfaches Starten und Stoppen.
Dependencies können definiert werden – MongoDB startet erst, nachdem das
Netzwerk verfügbar ist. Restart-Policies sorgen dafür, dass ein
abgestürzter MongoDB-Prozess automatisch neugestartet wird.
Resource-Limits können konfiguriert werden, um zu verhindern, dass
MongoDB den gesamten Server lahmlegt. Logging ist integriert –
journalctl -u mongod zeigt alle Logs des
MongoDB-Services.
Windows Services Manager bietet ähnliche Funktionalitäten, aber mit
anderer Oberfläche. Die grafische Dienstverwaltung ist für
Ad-hoc-Operationen praktisch, die Kommandozeilen-Tools net
und sc erlauben Scripting. Ein
net start MongoDB startet den Dienst,
sc query MongoDB zeigt den Status. Automatischer Start beim
Booten wird über die Diensteigenschaften konfiguriert.
Ein subtiler aber wichtiger Unterschied: Linux nutzt UNIX-Domain-Sockets für lokale Verbindungen, wenn keine spezifische Bind-IP konfiguriert ist. Diese Socket-Dateien sind schneller als TCP-Verbindungen über localhost. Windows unterstützt keine UNIX-Domain-Sockets – alle Verbindungen, selbst lokale, gehen über TCP/IP. In der Praxis ist der Performance-Unterschied minimal, aber bei sehr hohen Verbindungsraten messbar.
Das Dateisystem ist kritischer für Datenbank-Performance als oft angenommen. MongoDB schreibt kontinuierlich – neue Dokumente, Updates, Journal-Einträge. Leseoperationen müssen schnell zufällige Zugriffe auf große Dateien bewältigen. Das Dateisystem muss beides gut können.
Unter Linux sind XFS und ext4 die empfohlenen Optionen. XFS hat sich in MongoDB-Deployments als besonders robust erwiesen. Es handhabt große Dateien effizient, die Allokationsstrategie minimiert Fragmentierung, und die Performance bleibt auch bei vollen Dateisystemen stabil. Red Hat und MongoDB Inc. empfehlen XFS für Produktionsumgebungen. ext4 ist ebenfalls solide und oft der Standard bei Ubuntu-Installationen. Beide unterstützen Journaling, was Dateisystem-Konsistenz nach Crashes sicherstellt.
Windows nutzt NTFS, das einzige praktikable Dateisystem für moderne Windows-Server. NTFS ist ausgereift und funktioniert zuverlässig, erreicht aber typischerweise nicht die I/O-Performance von XFS oder ext4, besonders bei vielen parallelen Schreiboperationen. Dies liegt teilweise am Dateisystem selbst, teilweise aber auch am Windows-Kernel, der I/O anders scheduled als Linux.
Ein konkretes Beispiel: In Benchmarks erreicht MongoDB auf Linux mit XFS oft 20-30% höhere Schreib-Throughputs als auf Windows mit NTFS bei identischer Hardware. Bei leseintensiven Workloads ist der Unterschied kleiner, aber immer noch messbar. Diese Performance-Differenz ist ein Hauptgrund, warum praktisch alle großen MongoDB-Deployments auf Linux laufen.
Die Konfiguration des Dateisystems spielt ebenfalls eine Rolle. Unter
Linux sollte noatime als Mount-Option gesetzt werden – dies
verhindert, dass bei jedem Lesezugriff die Access-Time aktualisiert
wird, was unnötige Schreiboperationen spart. Für SSDs ist
discard sinnvoll, um TRIM zu ermöglichen. Diese
Optimierungen sind unter Windows nicht oder nur eingeschränkt
möglich.
Die Standardpfade unterscheiden sich nicht nur oberflächlich, sondern folgen unterschiedlichen Konventionen. Linux trennt klar zwischen verschiedenen Datentypen:
| Typ | Linux-Pfad | Windows-Pfad | Zweck |
|---|---|---|---|
| Konfiguration | /etc/mongod.conf |
C:\Program Files\MongoDB\Server\<version>\mongod.cfg |
YAML-Konfiguration |
| Daten | /var/lib/mongodb |
C:\data\db |
Dokumente, Indizes |
| Logs | /var/log/mongodb/mongod.log |
C:\Program Files\MongoDB\Server\<version>\log\mongod.log |
Server-Logs |
| Binaries | /usr/bin/ |
C:\Program Files\MongoDB\Server\<version>\bin\ |
mongod, mongosh, Tools |
| PID-File | /var/run/mongodb/mongod.pid |
Nicht verwendet | Prozess-ID |
Diese Trennung hat praktische Vorteile. Backups können das Datenverzeichnis sichern, ohne Logs oder Binaries mitzunehmen. Logs können auf separate Volumes gemountet werden, um das Hauptdateisystem nicht zu füllen. Berechtigungen können granular gesetzt werden – der MongoDB-User braucht nur Zugriff auf sein Datenverzeichnis, nicht auf System-Pfade.
Windows vermischt dies teilweise. Die Konfiguration liegt im Installationsverzeichnis, Logs oft auch. Nur die Daten haben einen separaten Pfad – und selbst der ist nicht vordefiniert und muss bei Erstinstallation angelegt werden. Diese Struktur ist weniger elegant, funktioniert aber für typische Windows-Use-Cases (lokale Entwicklung, kleinere Deployments) ausreichend gut.
Die Konfigurationsdateien selbst sind identisch – beide nutzen
YAML-Syntax. Eine mongod.conf von Linux kann auf Windows
verwendet werden, wenn die Pfade angepasst werden. Dies erleichtert
Migrations oder das Testen von Konfigurationen lokal vor Deployment auf
Produktionsservern.
Linux und Windows haben unterschiedliche Sicherheitsmodelle, die sich
auf MongoDB-Deployments auswirken. Linux nutzt ein klassisches
User/Group/Other-Modell mit umfangreichen Dateiberechtigungen. MongoDB
läuft typischerweise unter einem dedizierten User mongodb,
der nur Zugriff auf seine Datenverzeichnisse hat, nicht auf andere
System-Ressourcen. Dies folgt dem Principle of Least Privilege.
SELinux oder AppArmor, verbreitet auf Enterprise-Linux-Distributionen, können MongoDB zusätzlich sandboxen. Diese Mandatory Access Control-Systeme definieren genau, welche Ressourcen ein Prozess ansprechen darf. Initial ist dies oft frustrierend, weil zu restriktive Policies MongoDB am Funktionieren hindern. Richtig konfiguriert bietet es aber erhebliche zusätzliche Sicherheit.
Windows nutzt Access Control Lists (ACLs), die granularer sind als UNIX-Permissions. Der MongoDB-Service kann unter einem dedizierten Service-Account laufen, dem nur notwendige Rechte gegeben werden. In der Praxis wird dies aber seltener genutzt als unter Linux – viele Windows-MongoDB-Installationen laufen unter System- oder Admin-Accounts, was ein unnötiges Sicherheitsrisiko darstellt.
Firewall-Konfiguration ist auf beiden Plattformen essentiell. Linux nutzt typischerweise iptables oder firewalld, Windows die Windows Firewall. Der Prozess ist ähnlich: Port 27017 (Standard für mongod) sollte nur für vertrauenswürdige Quellen geöffnet sein. In Cloud-Umgebungen kommen Security Groups oder Network ACLs hinzu.
Die Theorie ist das eine, die Praxis oft überraschend. In kontrollierten Benchmarks zeigt Linux konsistent bessere Performance – höhere Throughputs, niedrigere Latenz, bessere Skalierung bei vielen Connections. Real-World-Deployments bestätigen dies. MongoDB Atlas, der managed Service, läuft ausschließlich auf Linux (AWS, Azure und GCP VMs mit Ubuntu oder RedHat).
Die Gründe sind vielfältig. Der Linux-Kernel hat ausgereiftere I/O-Scheduler, die Datenbank-Workloads besser bedienen. Der Memory Management ist effizienter, was bei MongoDB’s RAM-intensiven Operationen spürbar ist. Die Network-Stack-Performance ist bei hohen Connection-Counts überlegen.
Windows ist nicht langsam – für viele Anwendungsfälle ist die Performance völlig ausreichend. Eine Entwicklungs-Datenbank mit moderater Last merkt kaum Unterschiede. Aber sobald es um Tausende Requests pro Sekunde geht, zeigen sich die Differenzen. Für Produktionsumgebungen mit Performance-Anforderungen ist Linux die klare Empfehlung.
Ein weiterer Aspekt ist Stabilität. Linux-Server laufen oft Monate oder Jahre ohne Neustart. Windows-Server benötigen regelmäßiger Reboots für Updates. Dies ist weniger ein Problem, wenn MongoDB in einem Replica Set läuft (Failover ermöglicht wartungsfreie Updates), aber für Standalone-Deployments bedeutet jeder Reboot Downtime.
Das Ökosystem um MongoDB herum ist primär Linux-fokussiert. Viele Tools, Scripts und Tutorials setzen Linux voraus. Monitoring-Lösungen wie Prometheus mit MongoDB Exporter laufen primär auf Linux. Configuration Management mit Ansible oder Puppet ist Linux-zentriert. Docker-Container mit MongoDB basieren auf Linux-Images.
Dies bedeutet nicht, dass Windows nicht unterstützt wird. MongoDB selbst ist vollständig unterstützt, alle offiziellen Tools funktionieren. Aber das Community-Ökosystem, die Fülle an Scripts und Integrations, ist Linux-lastig. Wer Windows nutzt, muss häufiger selbst adaptieren oder alternative Lösungen finden.
Die MongoDB-Shell (mongosh) ist auf beiden Plattformen identisch,
ebenso Tools wie mongodump, mongorestore, mongostat. Die Syntax
unterscheidet sich nur minimal – Windows nutzt
.exe-Endungen und Backslashes in Pfaden, das war’s. Ein
mongodump --db=mydb --out=/backup wird zu
mongodump.exe --db=mydb --out=C:\backup – funktional
identisch.
Die Entscheidung sollte pragmatisch erfolgen. Für Produktionsumgebungen ist Linux die empfohlene Wahl. Die Performance-Vorteile, die operative Reife, das Ökosystem und die niedrigeren Lizenzkosten (Linux ist Open Source) sprechen eine klare Sprache. MongoDB Atlas nutzt Linux, MongoDB Inc. testet primär auf Linux, und die meisten Optimierungen werden für Linux entwickelt.
Windows hat seinen Platz in Entwicklungsumgebungen, besonders wenn das Entwicklerteam primär auf Windows arbeitet. Die Installation ist unkompliziert, die Integration mit Windows-Tools wie Visual Studio ist nahtlos, und für lokale Tests ist die Performance völlig ausreichend. Unternehmen mit stark Microsoft-zentrierten Infrastrukturen, wo Linux-Know-how fehlt oder wo Compliance-Gründe Windows vorschreiben, können MongoDB auf Windows produktiv nutzen – sollten sich aber der Performance-Limitierungen bewusst sein.
Eine hybride Strategie ist oft optimal: Entwicklung auf Windows (oder macOS), Staging und Produktion auf Linux. Dies erlaubt Entwicklern, in ihrer gewohnten Umgebung zu arbeiten, während produktive Systeme von Linux’ Vorteilen profitieren. Docker kann diese Strategie weiter vereinfachen – selbst Windows-Entwickler können MongoDB in Linux-Containern laufen lassen und so produktionsnahe Umgebungen lokal simulieren.
Die Plattformwahl ist keine religiöse Frage, sondern eine technische Entscheidung basierend auf Anforderungen, vorhandenem Know-how und bestehender Infrastruktur. MongoDB funktioniert auf beiden – aber für ernsthafte Produktionseinsätze führt an Linux kein Weg vorbei.